Kurzgeschichte: Der Mann unter deinem Fenster.. Rette deine Seele!!

Ich lag in meinem Bett und lauschte. Irgendetwas war anders als sonst, aber ich wusste nicht, was. Ich drehte mich auf die andere Seite meines Bettes und machte die Augen wieder zu, versuchte wieder einzuschlafen. Aber es gelang mir nicht. Warum nicht?? Ich drehte mich wieder um und knipste die Nachttischlampe an. Dann hörte ich es: Ein leises tock-tock-tock-tock-tock…, wie wenn jemand mit etwas Hartem gegen ein Fenster klopfen würde. Unruhig wälzte ich mich im Bett hin und her, aber das Geräusch veränderte sich nicht. Ich versuchte, die Richtung zu orten, ja, es kam eindeutig vom Fenster! Schlaftrunken stand ich auf und tapste barfuss zum Fenster. Ich öffnete es mit einem Ruck und erschrak: Da war nichts!! Hatte ich mir am Ende alles nur eingebildet?? Nein, da war es wieder: tock-tock-tock-tock-tock…, nur leiser und weiter unten, ja, in Richtung Eingangstüre! Ich entschloss mich, keine Hausschuhe anzuziehen und lief nach unten. Ich wollte herausfinden, was das sein könnte, am Ende hörte ich noch Gespenster!!

Unten angelangt, suchte ich nach einer Taschenlampe, fand aber keine. Dann musste es halt ohne gehen. Ruckartig riss ich die Tür auf, da war auch niemand! Langsam begann ich an meinem Verstand zu zweifeln: Ich war doch nicht verrückt, oder etwa doch? Plötzlich traf mich ein Schlag am Kopf, Sterne tanzten vor mir und ich fiel zu Boden. Den harten Aufprall spürte ich nicht mehr, denn ich war bereits in einem schwarzen Nichts verschwunden. Ein Nirwana. Niemand und Nichts. Eingehüllt in schwarze Wolken, weich wie Wattebausche und Drückend wie eine Dunstglocke. Ich spürte nichts, sah nichts, hörte nichts, roch nichts, schmeckte nichts. Das Atmen fiel mir leicht und doch wieder schwer, ich brachte die Augen nicht auf und schwebte schwerelos durch Zeit und Raum, bis sich von unten auf einmal ein gleißend heller Lichtstrahl auftauchte, der an Gestalt annahm. Er war weiß und blendete mich unter geschlossenen Augen. Es wurde unerträglich. Endlich riss ich die Augen auf und befand mich in meinem Zimmer. Ich lag auf meinem Bett, zugedeckt und in angenehmer Position. Verwirrt rieb ich mir die Augen: Was war passiert? Hatte ich geträumt? Beruhigt legte ich mich wieder auf die andere Seite, die rechte in Richtung Wand.



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Es war ja nur ein Traum gewesen. Dann aber spürte ich die Schmerzen an meiner Stirn und verkrampfte mich: Ich hatte ein ausgewachsenes Veilchen im Gesicht! Jetzt war mir klar, dass es kein Traum gewesen war. Aber wer war das und warum hatte er mich ins Bett gelegt? Wollte er etwa? Nein. Bestimmt nicht, hoffentlich nicht… Ich zitterte unkontrolliert, bis ich mich zusammenriss. Vielleicht war der Unbekannte schon wieder weg. Ja, sicher. War die Haustür noch offen? Ich wollte aus dem Bett springen, nach unten renne, die Haustüre schließen, die Polizei anrufen, mich in meinem Bett verkriechen und die Tür zusperren. Aber ich traute mich nicht. Als ich mich schließlich dazu aufraffen konnte und meine Angst kontrollieren konnte, erschrak ich umso mehr, als sich von oben plötzlich eine Hand auf mich legte und mich zurück in die Kissen drückte. „Bleib liegen!“, sagte eine eiskalte Stimme direkt über mir. Ich begann wieder zu zittern. Das war bestimmt nur ein schlechter Scherz! Gleich würde eine Kamera auftauchen und ein Schriftzug: „Willkommen bei…“ Aber das tat es nicht. Stattdessen bewegte sich der Unbekannte neben mir. Es war noch immer dunkel, und meine Beule an der Stirn pochte heftig. Ich spürte den kalten Windzug, als mir der Mann die Bettdecke vom Körper riss. Ich spürte meinen Schrei, den ich unvermutet ausstieß. Ich spürte auch den Lauf einer Waffe an meiner linken Wange, der mich abrupt verstummen ließ. Schauer jagten mir den Rücken hinab, sowohl aus Angst wie auch von der plötzlichen Kälte in meinem Schlafzimmer. Ob die wohl von dem Eindringling stammte? Kalte Materie in Gestalt eines scharfen Messers fuhr mir übers Gesicht. Ich war wie betäubt, konnte mich nicht mehr bewegen, spürte aber den Schmerz und fühlte mein eigenes Herz wie rasend in meinem Brustkasten schlagen. Er schnitt mir mit seinem Messer die Wange auf, warmes Blut quoll aus der Wunde. Ich wollte schreien, mich winden vor Schmerz und ihn abschütteln, aber ich war wie festgefroren. Hatte er mir Drogen gegeben?? Trotz meines Zustandes flossen klare Gedanken durch mein Hirn.

Sein Messer bewegte sich abwärts, war jetzt bei meiner Schulter und bei meinem Hals angelangt. Den Hals verschonte er, aber in meine Schulter stieß er seine Waffe tief. Der Schnitt brannte wie Feuer, ich schrie im Inneren, er solle mich in Ruhe lassen, oder mich wenigstens bewusstlos schlagen. Aber er konnte mich nicht hören. Ich schrieb und schlug um mich, aber nichts geschah. Ich war in meinem Körper gefangen, verdammt dazu, zuzusehen, welche perversen Spielchen er mit mir trieb. Mein Kopf drohte zu zerspringen, meine Schultern fühlten sich an, wie in brennendes Benzin getaucht und meine Arme, die er jetzt bearbeitete, der Schmerz war dem anderen nicht unähnlich. Ich wollte ihn töten, eigenhändig erwürgen, ihn verspotten, verprügeln und ihm seine Hände vom Leib reißen. Noch nie in meinen Leben war ich auf einen Menschen so wütend gewesen. Niederschmetternd war gleichzeitig die Erkenntnis, dass ich es nicht tun könnte. Ich war gefangen, wahrscheinlich durch Drogen ruhig gestellt, und würde sterben, bevor ich mit ihm meine Spielchen würde treiben können.

Wären meine Schmerzen noch nicht genug, riss er mir das Nachthemd vom Leib und wanderte mit seinem Messer abwärts, wie Butter glitt sein Messer durch mein Fleisch. Ich schrie vor Schmerz auf, wollte verschwinden in dieses Nichts, in das ich vorhin geglitten war. Nichts geschah, außer dass er angefangen hatte, meinen Bauch aufzuschneiden. Jetzt waren die Schmerzen so groß, dass ich sie nur noch al dumpfes Pochen spürte. Gott sei Dank konnte der Körper so sich selbst schützen! Aber das brachte mir nur eine kleine Erleichterung. Ich wollte endlich hier weg! Warum ließ der Unbekannte mich nicht sterben! Ich war mir sicher, dass der Tod wesentlich leichter und vor allem schmerzfreier war als meine jetzige Situation war. Ich wünschte mir nur noch, meinem Zimmer und meinem Peiniger für immer zu entfliehen. Und da war der Tod das geringste Übel, ja, er kam sogar einer Erlösung gleich. In meiner Angst, meinem Schmerz und meiner Panik betete ich zu Gott dem Allmächtigen. Ich flehte ihn an, mich zu erlösen und dem Schmerz entfliehen zu können. Von nirgendwo kam keine Antwort. „Gott, hilf mir!“, schrie ich stumm, meine Augen zeigten zur Zimmerdecke, als würde von dort der Heiland kommen.



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Ich war mir klar, dass es noch Stunde dauern könnte, bis ich sterben könnte, besser gesagt, bis er mich sterben lassen würde. Wenn überhaupt. Und in dem Moment schoss ein letztes Mal Schmerz durch meinen Körper, ich schrie ein letztes Mal stumm meinen Schmerz aus mir, dann kam gleißendes Licht auf mich zu. Das Licht brachte Wärme, aber das wohl Wichtigste: Es brachte Erlösung. Ich spürte keinen Schmerz mehr und erhob mich in durchsichtiger Gestalt in die Luft. Ich konnte mich sehen, meine sterbliche Hülle unter mir. Und das Schlimmste, ich konnte IHN sehen, dieses Arschloch, meinen Peiniger, den Teufel in Person. Ich schwebte unter der Zimmerdecke, wollte ihm wehtun, wie er da vor meinem Bett kniete und mich weiter bearbeitete, besser gesagt, mein altes Ich. Es war blutüberströmt, Stichwunden überall, tiefe Löcher in meinem einst so schönen Körper. Warum ich? Warum so?

Die Laken unter dem toten Körper waren vom Blut rot gefärbt und dieselbe rote Flüssigkeit sammelte sich bereits unter dem Bett in einer Lache. Plötzlich taten mir die Polizisten Leid, die meine Leiche finden mussten und das Verbrechen aufklären mussten. Mir tat auf einmal der Gerichtsmediziner Leid, der meinen Körper untersuchen musste und von jeder Stichprobe Abdrücke nehmen würde. Mir taten die ganzen Polizisten Leid, die von meinem Verbrechen sicher bis in die Träume verfolgt werden würden. All das ging mir durch den Kopf, als ich so in mein Zimmer blickte. Dann hörte ich meinen Namen, ein leises, fast flüsterndes Rufen. Es war eine angenehme Stimme, weich und lockend. Und ich war gewillt, der Erde, diesem Fleckchen Leid im Universum, endlich, endgültig und unwiderruflich den Rücken zuzudrehen. Ich blicke hinter mich, da war die Stimme. Sie rief wieder meinen Namen, ich antwortete, dass ich kommen würde, und schwebte weiter nach oben, durch die Zimmerdecke, durchs Dach und befand mich unter freiem Himmel. Wolken zogen der dunklen Nacht dahin. Es war kalt, aber ich spürte nichts.

Wieder wurde ich gerufen, noch immer freundlich und verständnisvoll. Wir schwebten weiter nach oben, ließen meine Stadt hinter uns und tauchten in die Wolken ein. Mein Herz war froh, ich fühlte mich seltsam zufrieden und glücklich. Ich fühlte flauschige Wolken, als mir die Stimme verkündete: „Wir sind da. Willkommen daheim!“ Ja, ich war zuhause. Mein Leben war zu Ende, aber ich war sicher, dass ich gerade dabei war, ein Neues, ein Besseres und vor allem, Eines ohne Schmerz und Demütigung zu beginnen. Ich war tot und gleichzeitig lebendig, weit über den Wolken. Näher an der Sonne, in einem Reich, dass die Menschen Himmel nennen. Und ich war mir sicher, dass ich jetzt ein Engel war.

Ende.

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