Krimi-Kurzgeschichte: Gefährliche Winterstille

Es war eine kalte und ruhige Nacht. Als Notarzt musste ich immer bereit sein. Ich weiß nicht warum ich nach der heutigen Nachtschicht die Abkürzung durch den Park nahm. Wahrscheinlich wollte ich einfach schneller zu Hause sein. Der zugefrorene Teich spiegelte sich im Glanz des Mondes. Es war so still, dass das Rauschen des Windes in den Bäumen laut wirkte. Ich konnte spüren, wie einzelne Schneeflocken auf meinem braunen Haar landeten.

Plötzlich hörte ich immer lauter werdende, dumpfe Stimmen, ein Streit. Ich ging leise weiter und als ich die Schatten zweier Personen sehen konnte, versteckte ich mich hinter einem Baum. Nach circa 12 Stunden Dienst hatte ich absolut keine Lust in einen Streit zwischen zwei Betrunkenen Personen hinein zugeraten.

Als jedoch ich näher kam konnte ich sehen, dass es nicht betrunkene Männer waren, sondern zwei Frauen. Die eine, eine sehr schlanke, große Frau, hatte lange dunkle Haare, die wild
im Wind flatterten. Im Gegensatz zu ihr wirkte die zweite Frau eher klein und schüchtern.
Die Entfernung zwischen dem Baum, hinter dem ich stand, und den beiden Frauen war zu groß, um zu verstehen wegen was sie sich stritten. Ich überlegte, ob sie sich wegen Geld stritten. Obwohl, dachte ich mir, geht es nicht meistens immer um Männer, wenn Frauen sich streiten?

Ein kräftiger Windstoß riss mich aus meinen Gedanken. Ich hatte die Zeit ganz vergessen und merkte erst jetzt, wie sehr ich fror. Als ich auf mein Handy schaute, sah ich, dass ich schon eine halbe Stunde vergangen war. Irgendetwas sagte mir in die Richtung zu gehen, aus der ich gekommen war. Also drehte ich mich um, um den Weg zu nehmen, den ich normalerweise gehen würde, um nach Hause zu gelangen. Dort würde sowieso niemand auf mich warten, da meine Freundin sich vor zwei Monaten von mir getrennt hatte. Als ich ging, war alles still. Ich dachte, der Streit der beiden Frauen sei geschlichtet. Doch plötzlich, wie aus dem Nichts, brach ein Schuss die Stille der Nacht.

Ich erstarrte vor Schreck. Es war, wie als ob mein Körper gelähmt wäre. Als ich mich wieder gefangen hatte, drehte ich mich ruckartig um. Doch das, was ich sehen konnte, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Ich sah den leblosen Körper der Frau mit den langen dunklen Haaren im Schnee liegen. Neben ihr konnte ich eine Pfütze erkennen. Wahrscheinlich war es das Blut.

Plötzlich erschien vor meinen Augen die Silhouette einer kleinen, zierlichen Frau, die immer näher kam. Sie musste mich gesehen haben. Ich konnte sehen, dass sie etwas in der Hand hielt. Als sie näher kam, konnte ich erkennen, dass es eine Waffe war. Sekunden vergingen, ohne dass ich wusste, was ich tun sollte. Doch plötzlich, instinktiv lies ich meinen Arztkoffer fallen und rannte wortwörtlich um mein Leben. Erst später realisierte ich erst einmal, wie schnell ich laufen konnte. Der Boden war glatt und Schneeflocken wehten mir ins Gesicht. Bei meiner Geschwindigkeit fühlte sich jede Schneeflocke wie ein Messerstich an. Doch im Gegensatz zu der Frau war ich mit meinen flachen Schuhen eindeutig im Vorteil. Es muss für sie sehr schwer gewesen sein mit hohen Stiefeln durch meterhohen Schnee zu rennen.
Ich konnte spüren, wie das Adrenalin in meinem Körper anstieg und trotzdem war ich unendlich froh, als ich die ersten Lichter der Stadt sehen konnte. Plötzlich spürte ich einen starken, stechenden Schmerz in meinen Rippen. Hatte sie mich angeschossen? Ich tastete, aber konnte kein Blut fühlen. Plötzlich merkte ich, dass es nur Seitenstechen war und atmete auf. Trotzdem, fühlte es sich an, als ob jemand mit einem Messer in einer Wunde herum stocherte. Ich war unfähig weiter zulaufen und kam mir unendlich hilflos vor. Die einzige Möglichkeit, die mir blieb, war mich hinter einer Hausecke zu verstecken.

Sekunden vergingen bis ich plötzlich hörte, wie sich mir jemand näherte. Klick, Klack, Klick, Klack… Im Schein der Straßenlaternen konnte ich unscharfe Konturen einer zierlichen, kleinen Frau erkennen. Jetzt konnte ich auch sehen, dass sie kurze blonde Haare hatte. Ich versuchte den Atem anzuhalten, was gar nicht so leicht war, nachdem ich mehrere hundert Meter durch den Schnee um mein Leben gerannt war. Das einzige, was ich denken konnte war: “Das ist die Mörderin. Sie hat die Frau mit dem langen dunklem Haar auf dem Gewissen.” Ich betete dafür, dass sie mich nicht bemerkte und an mir vorbei ging.

Ich weiß nicht mehr, wie lang ich hinter der Hausecke stand. Irgendwann fiel mir nur auf, dass es langsam hell wurde. Am Horizont sah ich eine wunderschöne Wintersonne aufgehen. Alles wirkte so friedlich. Es war Samstagmorgen und alle Menschen schliefen noch. In weiter Entfernung hörte ich eine Kirchturmuhr Acht schlagen. Ich wusste, dass die Zeit stimmen konnte, da meine Nachtschicht erst gegen halb 6 zu Ende war. Dass man die Leiche finden würde, war mir klar. Wahrscheinlich von einem Spaziergänger, der mit seinem Hund unterwegs ist oder von einem Jogger. Manche Menschen treiben schon in der Frühe Sport, damit sie für den Tag fit sind. In meinem Leben als Arzt blieb für so etwas wenig Zeit. Trotzdem, es half alles nichts. Eines stand fest: Die Frau mit dem langen dunklem Haar war tot.

Ich musste zur Polizei gehen und eine Aussage machen. Was war, wenn die Täterin mich erkannt hat? Oder mich verfolgt und herausbekommt, wo ich wohne.
Ich beschloss meinen Arztkoffer später zu holen und erst einmal zur Polizei zu gehen. Die Dienststelle war circa 1 km von dem Park entfernt. Dennoch kam mir der 1 km vor wie 10. Es war ungeheuer schwer durch den meterhohen Schnee zu stapfen. In der Nacht hatte es geschneit und zum Samstag fahren die Winterdienste erst gegen Neun durch die Gegend. Ich war froh endlich angekommen zu sein, da es draußen sehr kalt war und ich mich nicht mehr sicher fühlte. Doch als ich durch die verglaste Scheibe des Arbeitszimmers eines Polizisten schaute, traute ich meinen Augen nicht. Ich konnte sehen, wie eine Frau mit kurzem, blondem Haar etwas erzählte und der Kommissar, ein gut gebauter, muskulöser Mann mit haselnussbraunem Haar, nahm dies zu Protokoll. Ich fragte mich, was das sollte. Sie war die Täterin. Warum sitzt sie dann auf einer Polizeidienstelle bei einer Tasse Kaffee und unterhält sich ganz freundlich mit einem Kommissar? Oder hatte ich mich getäuscht? Vielleicht war sie gar nicht die Täterin. Sie wirkte freundlich und alles andere als skrupellos. Aber ich musste zugeben, dass ihr Körperbau und ihr gesamtes Wesen mit der Mörderin von letzter Nacht übereinstimmte.

Als ich nach links schaute, wo ich eine Pinnwand mit gesuchten Verbrechern und Vermissten sehen konnte, bestätigte sich mein Verdacht. Ich sah das Phantombild eines jungen Mannes an. Er war circa 35 Jahre, hatte braune Haare, war gut gebaut und…. Plötzlich musste ich erkennen, dass der gesuchte Mann aussah wie ich. Mit Schrecken realisierte ich, dass ich ein gesuchter Verbrecher war und mitten in einer Polizeidienststelle stand.

Ich wusste, dass sich die Täterin herausreden wollte. Sie wollte mir die Tat in die Schuhe schieben. Ich wusste nicht wie. Ich wusste nur, dass man am Tatort meinen Arztkoffer mit meinem Personalausweis finden würde. Es war zu spät, um alles klar zu stellen. Ich fragte mich, wem die Polizei mehr glaubte. Einer verängstigten, hilflosen Frau, die eine Mord beobachten musste oder einem normalen, durchschnittlichen Arzt, dem gut einen Mord angehängt werden könnte. Wahrscheinlich erzählt sie,dass ich die tote Frau ausrauben wollte und sie anschließend umgebracht habe. Was natürlich nicht stimmte. Es war zu spät, um zum Tatort zurückzugehen. Ich müsste durch den nassen Schnee laufen, was ungefähr doppelt so lang dauerte, als wenn ich auf Beton laufen würde.



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Ich hasse den Winter. Es ist viel zu kalt und man kann nur langsam laufen, damit man auf dem Eis nicht rutscht. Ich wette, dass es jetzt schon am Tatort von Leuten der Spurensicherung und von Polizisten die die Zeugenaussagen aufnahmen, nur so wimmelte. Ich durfte das nicht riskieren. Wenn sie mich in U-Haft stecken würden, dann wäre meine Karriere als Arzt vorbei. Also blieb mir nichts anderes übrig als nach Hause zu rennen. Ich spürte, wie die Nässe zuerst durch meine Schuhe und dann durch meine Socken drang. Meine Schuhe waren definitiv nicht für den Winter geeignet.

Auf dem Weg nach Hause drehte ich mich immer wieder um. Plötzlich überkam mich Panik. Ich hatte Angst, dass mich die Täterin umbringen wollte, damit ich nicht gegen sie aussagen kann. Instinktiv rannte ich los, als ich ein Knistern hinter mir hören konnte. Die Gasse, durch die ich lief, schien kein Ende nehmen zu wollen. Ich konnte nicht mehr. Mir viel eindeutig der Schlaf der letzten Nacht. Als ich stehen blieb und mich herumdrehte, sah ich nichts als dreckigen Schnee.

Irgendwie wurde ich jedoch das Gefühl nicht los, dass mich jemand verfolgte. Mir blieb keine Zeit darüber nachzudenken. Ich musste so schnell wie möglich nach Hause, ein paar Sachen packen und verschwinden. Wohin, wusste ich noch nicht genau. Ich wusste nur, dass meine einzige Möglichkeit flüchten war, wenn ich meine Karriere retten wollte.

Ich war schon dabei meine Haustür aufzuschließen, als ich plötzlich eine Stimme hinter mir hörte: “Ah, Herr Schmitt, schön Sie zu sehen!” sagte meine Nachbarin. Die hat mir gerade noch gefehlt. Seitdem die alte Hexe hier eingezogen ist, gibt es nur noch Streit in der Nachbarschaft. Wahrscheinlich ist sie auch nur nett zu mir, weil ich ihr vor einem halben Jahr das Leben gerettet habe, nachdem sie im Treppenhaus einen Herzinfarkt erlitten hatte. Ihr ist wahrscheinlich ihre eigene scheinheilige Art aufs Herz geschlagen. Ich antwortete etwas verwirrt: “Gleichfalls, Frau Mertens”, und dachte dabei eigentlich genau das Gegenteil. “Gut, dass ich Sie hier sehe Doktor, wären sie vielleicht so freundlich und würden nächste Woche meine Zeitung aus dem Briefkasten nehmen, da ich zu meinen Kindern nach Lübeck fahren werde!”, “Das tut mir schrecklich leid, Frau Mertens”, antwortete ich etwas zu freundlich, sodass es schon wieder unehrlich klang, “Ich fahre selbst in den Urlaub.” Was natürlich nicht stimmte. Aber ich hatte absolut keine Lust die Zeitung bei ihr herauszunehmen. Ich wunderte mich jedoch mehr, dass sie noch Kontakt zu ihren Kindern hatte. Immerhin war sie ziemlich hinterhältig und handelte nur zu ihren Gunsten. Das interessierte mich nicht. Ich hatte ganz andere Probleme, die mich aus meinen Gedanken rissen. “Schön, wo geht es denn hin?”, fragte sie, als ob sie sich für mein Reiseziel interessierte. “Auf die Seychellen. Ich brauche etwas Ruhe. Der Job macht mir ganz schön zu schaffen!” Ich war selbst irritiert, wie gut ich lügen konnte. Sie murmelte noch etwas, was ich jedoch nicht mehr wahrnahm, da mir plötzlich bewusst wurde, dass die Seychellen ein guter Ort wären, um zu flüchten.

Schnell ging ich in meine Wohnung, holte meine völlig eingestaubte Reisetasche aus dem Schrank und packte ein paar Sachen ein. Als Arzt muss man wie gesagt immer bereit sein. So bleibt wenig Zeit für Reisen. Ich musste mich ja irgendwie im St. Petrus Krankenhaus abmelden. Meine Kollegen zählten auf mich. Ich konnte nicht einfach einen Tag “blau” machen. Also rief ich an und meldete mich krank. Ich sagte, ich hätte eine Lungenentzündung und könne somit nächste Woche nicht auf Arbeit kommen. Hektisch sammelte ich ein paar Sachen zusammen und schmiss sie ungeordnet in meine Tasche. Ich kam mir vor wie ein Schwerverbrecher. Ich schaute zum Fenster und hatte wieder das Gefühl beobachtet zu werden. Ich wusste nicht, ob ich mir das einbildete oder ob vielleicht die Polizei mich observierte. Dann kam ich auf die Idee, dass es vielleicht auch die Frau mit den kurzen blondem Haar war, die mich beobachtete. Ich hatte keine Zeit mich weiter damit zu befassen.



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Ich wollte schon die Tür hinter mir zuziehen als mir einfiel, dass ich ja gar keinen Personalausweis hatte. Also musste ich notgedrungen meine Seychellen Reise verschieben und mir einen Plan B ausdenken. Ich überlegte, mich vielleicht nach Holland abzusetzen. Immerhin brauchte man um die Grenze zu überqueren keinen Ausweis. Und ich wäre nicht mehr in Deutschland. Außerdem lag Hamburg nicht sonderlich weit weg von der Grenze. Ich schloss die Tür hinter mir und lief mit der Reisetasche in der Hand den langen Flur entlang, der zum Ausgang führte. Plötzlich hörte ich hinter mir eine tiefe Stimme: “Herr Schmitt? Lassen Sie bitte die Tasche fallen und halten Sie die Hände über den Kopf, so dass wir Sie sehen können!” Ich schloss die Augen und betete, dass ich mir alles nur eingebildet hatte. Als ich mich umdrehte, sah ich mehrere bewaffnete Männer stehen. Sie richteten jeder eine Waffe auf mich. Natürlich war ich nicht lebensmüde und tat das, was sie mir sagten.

Genau in diesem Moment kam Frau Mertens aus Ihr Tür. Die hat mir gerade noch gefehlt. Das Gute daran war, dass sie die ganze Aktion hier nicht ausplappern konnte, da sowieso keine mit ihr spricht. “Was geht denn hier vor sich? Herr Schmitt, können Sie mir das erklären?” “Das ist alles nur ein Missverständnis. Ich weis nicht, was die Polizei von mir will!”, log ich. “Ja das weiss ich auch nicht. Aber nicht in meinem Haus. Alle raus hier, sofort!”, meckerte sie. Die Polizei machte tatsächlich das, was sie sagte.

Auf dem Weg zum Revier fühlte ich mich richtig mies. Ich hatte nichts getan aber das konnte ich wahrscheinlich nicht nachweisen. Gut fühlte ich mich mit zwei bewaffneten Männern an meiner Seite nicht. Außerdem war ich es nicht gewohnt mit Handschellen in einem Polizeiwagen zu sitzen. Die Fahrt kam mir vor wie eine halbe Ewigkeit. Im Grunde genommen waren es gerade mal 4 Kilometer.

Als wir am Revier angekommen waren, führte mich ein etwas dickerer Polizist so um die 50 Jahre in das Gebäude und anschließend in einen Verhörraum. Erst jetzt realisierte ich alles, was geschehen war. Letzte Nacht war ich noch im Krankenhaus und habe gearbeitet und jetzt saß ich in einem Verhörraum der Polizeidienststelle. Ein kalter Schauer durchfuhr mich. Ein Tisch, zwei Stühle und eine dunkle Glasscheibe, all das hatte ich schon oft im Fernsehen gesehen. Doch nun wirkte alles so real. Ich war mir sicher, dass hinter der verdunkelten Glasscheibe, auf der anderen Seite des Raumes, mindestens 2 Ermittler spekulieren ob ich der Mörder sei oder nicht. Sekunden kamen mir wie Minuten vor, Minuten wie Stunden. Nach einer gefühlten Stunde trat endlich ein Mann zu mir ins Zimmer. Irgendwoher kannte ich ihn. Es war der Kommissar, der die Täterin verhört hatte. Er war kräftig aber nicht dick und hatte dunkelbraune Augen. Auf den ersten Blick wirkte er freundlich. Doch ich wusste, wie das läuft: Zuerst tun sie verständnisvoll und dann, wenn sie merken, man bekommt aus den Verdächtigen nichts heraus, werden sie unfreundlich. So war es bisher in fast jedem Krimi, den ich im Fernsehen gesehen oder gelesen hatte. Der einzige Unterschied war, dass im Film die Ermittler immer den wahren Täter finden, was eigentlich total unrealistisch ist. Im echten Leben hingegen, kann es auch schon mal vorkommen, dass man die falsche Person verhaftet. Ich hoffte nur, dass man in meinem Fall den richtigen Täter verhaften würde. Ich wollte nicht den Rest meines Lebens in einer kleinen, dreckigen Zelle irgendwo im Gefängnis verbringen. Ich hatte die ganzen Jahre so hart als Arzt gearbeitet und nun sollte alles schon vorbei sein?



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“Ich bin Kommissar Schulze. Sie sind Herr Dr. Schmitt, richtig?”, “Ja, Herr Kommissar”, begann ich. “Ich muss Ihnen nicht sagen, dass Sie das Recht der Verweigerung haben, sofern Sie sich bei wahrheitsgemäßer Aussage selbst belasten würden. Alles, was Sie sagen, kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden.”, “Natürlich”, “Ist es richtig, dass Sie in der Nacht von Donnerstag zu Freitag im Waldpark waren?”, “Ich war da, aber ich habe niemanden getötet. Das müssen Sie mir glauben!” “Wem ich hier was glaube, dass entscheide ich immer noch selber. Warum waren Sie so spät denn überhaupt im Waldpark?” “Ich kam von der Nachtschicht im Krankenhaus, wollte schneller nach Hause, hörte einen Streit und habe den Mord nur beobachtet.” “Konnten Sie denn den angeblichen Mörder erkennen?” “Ein wenig. Sie hatte kurze Haare und war sehr klein. Sie wirkte im Gegensatz zu dem Opfer eher zierlich.” “Eine Frau?” “Ja.” “Ok, dass reicht. Schluss mit den Spielchen. Man hat neben der Leiche Ihren Personalausweis gefunden. Ist schon ein ziemlich großer Zufall, oder? Und wissen Sie was: Ich glaube nicht an Zufälle.” “Ich war es wirklich nicht. Ich habe meinen Arztkoffer nach dem Schuss fallen lassen und bin einfach weggerannt. Darin befand sich natürlich auch mein Personalausweis. Woher soll ich denn wissen, wie er neben die Leiche kommt?” “Verraten Sie es mir. Selbst wenn es so sein sollte, wie Sie es sagen, trotzdem habe Sie die Frau auf dem Gewissen. Auch wenn Sie sie nicht erschossen haben, dann habe Sie sie verbluten lassen. Dafür gehen Sie in den Knast und dass für mindestens 2 Jahre.” “Das ist nicht wahr. Ich hatte Angst, dass die Täterin mich auch erschießt. Ich habe nichts damit zu tun!” “Das ist mir egal. Und wenn ich sie nicht wegen unterlassener Hilfeleistung dran bekomme. Ich verspreche Ihnen, Ihre Zulassung als Arzt werden Sie auf jeden Fall verlieren!” Mit diesen Worten verließ der Kommissar den Raum und es wurde still.

Bei dem Gedanken, dass ich meine Zulassung verlieren würde, wurde mir ganz übel. Ich kann bis heute nicht sagen, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe. Ich wusste, dass der Kommissar hinter der Glasscheibe stand und mich beobachtete. Mit der Zeit wurde mir langweilig. Vorhin war alles noch so neu und jetzt kam ich mir vor, als ob ich schon 3 Tage in diesem verdammten Raum sitzen würde. Deshalb konnte ich es auch kaum erwarten endlich hier raus zu kommen. Plötzlich bewegte sich die eiserne Türklinke und der Kommissar trat erneut in den Raum hinein. “Sie wissen sicher, dass wir Sie wegen mangelnder Beweise nicht ewig hier festhalten können. Da Sie sowieso nicht gestehen werden, sind wir somit fertig. Aber halten Sie sich bitte zur Verfügung, wegen weiterer Fragen. Es dürfte klar sein, dass ich mich um Ihre Zulassung persönlich kümmern werde.” “Ja, aber…” “Nichts aber. Sie gehen jetzt besser.”

Was denkt der eigentlich, wer er ist? Glaubt er etwa, dass ich freiwillig hier bleiben würde? So gut hat es mir im Revier nun doch nicht gefallen. Polizisten sind doch alle gleich. Die wollen ihren Fall abschließen, ohne Rücksicht auf Verluste.

Auf dem Weg aus dem Revier spielten sich die Bilder des Mordes immer wieder in meinem Kopf ab. Ich konnte noch immer nicht realisieren, was passiert war, auch wenn ich es gesehen hatte. Plötzlich wurde mir ganz schwindlig. Ich hatte dass Gefühl, alles um mich herum würde sich drehen, auch wenn ich wusste, dass das nicht sein konnte. Ich taumelte aus dem Gebäude und dachte, dass wir wahrscheinlich einfach nur die frische Luft fehlte, doch plötzlich wurde mir ganz schwarz vor Augen und ich spürte, wie mein Körper langsam zu Boden sackte. Mein Hinterkopf schlug auf etwas Hartem auf. In der Ferne hörte ich dumpfe Stimmen. Sie wurden immer leiser, bis ich sie gar nicht mehr hören konnte. Noch immer war alles schwarz vor meinen Augen und plötzlich realisierte ich nicht mehr, was um mich herum geschah.



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Als ich munter wurde, blickte ich auf eine weiße Decke. Irgendwie erinnerte sie mich an ein Krankenhaus. Zuerst wusste ich gar nicht, was los war. Doch dann fiel mir alles wieder ein. Der Mord, das Verhör und mein kleiner Schwindelanfall und als ich mich umschaute, merkte ich, dass ich tatsächlich im Krankenhaus lag. Ich war Arzt und überlegte oft, was das letzte ist, was meine Patienten sehen. Nun wusste ich es: Es war die hässliche, weiße Decke des Krankenzimmers.

Plötzlich hörte ich, wie die Tür aufsprang. Es trat ein Mann in einem weißen Kittel herein. Er hatte graues Haar und eingefallenen Wangen. Ich hatte ihn noch nie zuvor im Krankenhaus gesehen. “Herr Dr. Schmitt, schön dass Sie aufgewacht sind. Wie geht es Ihnen?” Noch leicht benommen sagte ich: “Ganz gut. Was ist denn passiert?” “Sie hatten vor dem Polizeirevier eine Panikattacke und sind umgekippt. In der nächsten halben Stunde wird eine Krankenschwester kommen und mit Ihnen ein paar Untersuchungen durchführen. Ich nehmen an, dass Sie heute Abend entlassen werden können!” “Alles klar, danke!”,sagte ich nur knapp und der Mann verschwand aus dem Zimmer. Minuten lag ich da und überlegte, ob ich vielleicht einfach aus dem Krankenhaus abhauen könnte. Ich hatte ja immerhin keine dramatische Krankheit. Doch dann fiel mir ein, dass vor meinem Krankenzimmer bestimmt ein Polizist stehen würde, der aufpasst, dass ich nicht flüchte. Das Gute daran war, dass die Täterin dann nicht in mein Zimmer kommen würde.

Genau in diesen Moment sprang die Tür auf. Eine Frau kam in mein Zimmer. Zuerst dachte ich, es sei eine Krankenschwester doch als ich genauer hinsah, erkannte ich die Frau wieder. Sie hatte kurze, blonde Haare und war sehr schlank. Es war eindeutig die Täterin. Sie schaute mich an. Ihre eisblauen Augen waren kalt. Sie war sehr blass und nur dezent geschminkt. Als sie mich anschaute, sah ich nichts als Wut. Mein Herz raste und ich hatte das Gefühl kein Wort heraus bringen zu können. Ich stotterte: “Sie, sie haben die.. die Frau ge…tötet. Wa..warum musste sie sterben?” “Das geht sie nichts an. Sie haben es beobachtet und jetzt werden Sie dafür büßen!” “Wie, wie sind Sie denn überhaupt hier.. hier herein gekommen?” “Nun,das war gar nicht so schwer. Bei den Polizisten geh ich locker als Ihre Schwester durch.” Langsam normalisierte sich mein Puls wieder und ich fange an wütend zu werden. “Die Frau hat Ihnen nichts getan und Sie haben die kaltblütig ermordet!” “Die blöde Kuh war doch selber Schuld. Warum musste sie mir auch meinen Freund ausspannen. Wir waren verlobt und nachdem er sie kennengelernt hatte, hat er sich einfach von mir getrennt. Wie schon gesagt, Sie haben es beobachtet und jetzt müssen Sie dafür bezahlen. Ich kann nicht zulassen, dass ich ins Gefängnis komme.” Sie kam immer näher und zog plötzlich eine Waffe aus ihrer Tasche. Der Lauf zeigte direkt in mein Gesicht. Ich spürte wie mein Puls anstieg und mein Herz immer schneller schlug. Sie hatte den Finger schon am Abzug als plötzlich die Tür aufgerissen wurde.



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Die Krankenschwester stand fassungslos im Türrahmen, den Mund weit aufgerissen und wusste nicht, was sie sagen sollte. Schon stand hinter ihr ein Polizist, der seine Waffe auf die Täterin richtete. “Geben Sie auf. Das hat doch alles keinen Sinn. Es muss nicht noch ein Mensch sterben, Frau Böhm. Geben Sie mir die Waffe.” Langsam ging der Polizist auf die Täterin zu. Er hielt ihr seine Hand hin, damit sie ihm die Waffe gibt. Ohne zu zögern übergab die Täterin dem Polizist die Pistole. Ich sah, wie ihr die Tränen in den Augen standen. “Mir tut alles so schrecklich leid. Ich wollte die Frau nicht umbringen”, flüsterte sie leise.

Heute bin ich froh, dass alles noch gut ausgegangen ist. Meine Zulassung als Arzt hab ich natürlich behalten. Ich hab schon einige Menschen aufgrund meines Berufes sterben sehen, doch die Bilder, die ich in der Nacht als ich von der Nachtschicht kam gesehen habe, gehen mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf. In einer Woche sehe ich die Täterin erneut, um gegen sie auszusagen. Ich weis nicht, wie der Prozess verlaufen wird. Ich hoffe nur, dass sie Ihre gerechte Strafe bekommen wird.

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